16. Mai 2007
Der TÜV Rheinland ruft aus der Alboinstraße an (ca. 40 Min. Autofahrt von Köpenick). Ein Schwarm habe sich auf einer Mülltonne niedergelassen. Ich schnappe mir die Schwarmkiste und ab gehts. Dort angekommen, hat der Schwarm schon ein neues Quartier bezogen, nämlich in einer doppelwandigen Ziegelmauer, die zu einer Fabrik gehört.
Zeitgleich mit mir trifft ein Herr ein, der sich als vom Umweltamt kommend, vorstellt. Er kam eigentlich wegen eines anderen Schwarmes, der am Vortag in die gleiche Mauer eingezogen war. Nun beherbergt die Mauer 2 Bienenvölker.
Der Geschäftsführer der Firma eilt hinzu und fragt, was denn nun mit den Bienen geschehe. Rausholen kann sie aus der Wand in 5 Meter Höhe keiner. Der Umweltämtler erklärt, dass die Bienen wegen der Varroamilbe spätestens im nächsten Jahr tot seien, dann der Honig zu gären anfange, stinke und durch die Wand ins Gebäudeinnere suppe. Da sei es doch besser, die Bienen gleich umzubringen. Das findet nun auch der Geschäftsführer einleuchtend und das Umweltamt wird tätig.
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15. Mai 2007
Die Wanderung mit Bienen verlangt ein gutes Zeitmanagement. Hier ein Beispiel aus der imkerlichen Praxis:
- 12.00 Uhr: Bienenvölker abernten. Die Frühjahrsblüte muss raus, damit Platz für die Robinie ist.
- 15.00 Uhr: Anhänger abholen. Der Anhängerverleiher empfiehlt mir einen Autoanhänger. Der hat eine ganz niedrige Reeling. Die Bienenvölker lassen sich praktisch von der Seite her ringsum aufladen. Das klingt ideal, weil ich alleine wandern muss. Mitarbeiter Lars ist verreist. Der Anfahrwiderstand des Anhängers ist unerwartet groß. Zwischen 19.00 und 20.00 Uhr will ich zurück sein.
- 15.30 Uhr: 10 Bienenvölker aus dem Bienengarten II werden aufgeladen, dazu Paletten.
- 16.00 Uhr: Abfahrt zum Wanderplatz Münchehofe, wo die Völker seit der Rapstracht stehen.
- 16.30 Uhr: Das Gespann bleibt bei der Anfahrt zu dem auf einer leichten Anhöhe gelegenen Wanderplatz stecken. Die Räder drehen durch. Nichts geht mehr. Unten am Hügel steckt das Gespann. Oben stehen die Bienen. Was tun?
- 16.50 Uhr: Alle Bienenvölker sind vom Anhänger wieder abgeladen. Die Idee, mit dem leeren Hänger hochzufahren, 10 Völker aufzuladen und dann auf dem Rückweg die gerade abgeladenen mitzunehmen, scheitert. Das nun leere Gespann steckt immer noch im Schlamm.
- 17.00 Uhr: Der Hänger wird abgehängt und unter Aufwendung aller Körperkräfte gedreht.
- bis 18.30 Uhr: Mit einer Transportkarre werden 10 Völker einzeln vom Hügel herabgerollert. Dann die abgeladen Völker wieder auf den Anhänger gepackt und los geht es nach Neuhardenberg.
- 19.30 Uhr: Ankunft am Wanderplatz. Anruf bei der Försterin: „In 1 Stunde bin ich bei Ihnen, um das Formelle zu regeln.“
- 20.30 Uhr: Alle Völker stehen ordentlich, vorschriftsgemäß ausgeschildert am Wanderplatz. Das nun leere Gespann fährt an – und bleibt wieder stecken. Mit viel Gefühl und Kupplung schaffe ich es, Wagen und Anhänger aus der misslichen Lage zu befreien.
- 21.00 Uhr: Ich sitze zwischen lauter Geweihen im Büro der Försterin. 20 Imker haben sich bei Ihr zu Robinie angemeldet. Ich habe es auf Platz 3 geschafft – trotz der Schlammschlacht. Fürs nächste Mal habe ich gelernt: Autotransporter sind für Flugtiere nicht geeignet, da zu schwer!
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14. Mai 2007
Unter den hiesigen Imkern macht die Furcht vor dem Ende der Sonnenblumen die Runde. Wo 2006 noch Sonnenblumen ihr gelbumkränztes Schokoladengesicht der Sonne entgegenreckten, soll dieses Jahr nur noch eine grüne Maiswüste stehen – als Futter für Biogasanlagen.
Ein Anruf bei einer Agrargenossenschaft am Rande des Oderbruchs reicht aus, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. „Wir haben diesen Jahr 60 ha Sonnenblume gedrillt. Nach dem Regen steht die sehr gut,“ meint der Landwirt. Die Trockenheit im April habe ihr im Gegensatz zum Wintergetreide nicht geschadet. Er freut sich darüber, dass der Imkerverein Köpenick wieder mit rund 50 Völkern kommt.
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13. Mai 2007
Den Samstag hatten wir wegen Dauerregens geschwänzt. Doch am heutigen Sonntag luden wir unseren Wagen voller Honigkartons und bauten unseren Verkaufsstand auf dem Bölschefest in Friedrichshagen auf. Bei diesem Stadtfest stehen wir seit Jahren stets gegenüber „Blume 2000“, einem Blumenladen. Da erwarten uns unsere Kunden (O-Ton: „Wir haben Sie schon gestern gesucht.“)
Solche Stadtfeste besuche ich ausgesprochen gern, weil man deutlich sieht, wer unseren Honig isst. Dabei fällt auf: Es kaufen jedes Jahr weniger Familien mit Kinder dafür aber mehr Ältere. Es gibt daneben noch viele andere Menschen mit Honig-Interesse, z. B.
- Solariumsschönheiten, die Honig für Gesichtsmasken kaufen,
- Schüler, die ein Miniglas für ihre Mutti mitnehmen,
- Kunden, die Ihre ganze Lebensgeschichte erzählen,
- Ex-Imker, die von früher berichten und
- Interessenten, die jeden Honig genau erklärt haben wollen, dann nach einem „Prüfsiegel“ fragen (was soll das sein?) und gehen.

Alles ganz einfach und übersichtlich: unser Verkaufsstand
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11. Mai 2007
Nachdem alle Verträge wegen der Bio-Zertifizierung unter Dach und Fach sind, hat sich heute der Bio-Kontrolleur für die 1. Kontrolle angekündigt. Er will alle Völker sehen, um zu überprüfen, ob die jetzt in Holzkästen wohnen.
Dabei gibt es aber ein Problem. Wir betreiben ja eine Wanderimkerei und unsere Bienen sind zur Zeit an mehreren Standorten in Berlin und Brandenburg fleißig! Es macht ihm nichts aus, die Standorte alle abzuklappern. Aber mir, weil mich jede Stunde Kontrolle zusätzliche 60 € Gebühren kostet. Also bot ich ihm an, doch 2 bis 3 Wochen später zu kommen, wenn die Linden blühen und alle Bienen wieder da sind. Davon war er aber nicht begeistert, weil die Erstkontrolle „zeitnah“ stattfinden soll. Er fragt jetzt mal seinen Chef.
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8. Mai 2007
Das rätselhafte Bienensterben hat es heute auf die erste Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) geschafft. Der Tonfall in dem mit einem schwarzen Trauerrand versehenen Beitrag war pessimistisch: Viele Tierarten seien ja schon ausgestorben und nun würden auch die Bienen mit der Zeit (ver-)gehen.
Prima Gesprächsstoff für die Rückwanderung aus dem Obst! Mitarbeiter Lars und ich haben uns Gedanken darüber gemacht, wie die Imkerei mit der Zeit gehen kann. Wir erkannten, dass wir die Speerspitze des Fortschritts sind:
- Wir sind die einzige Branche, die CO2-neutral verbrennende Kerzen herstellen kann! Wer mit Bienenwachskerzen sein Heim beleuchtet, schützt aktiv das Klima!
- Wir sind die einzige Branche, wo Flatrate = Nullrate ist. Wo sonst kann man sich völlig umsonst (mit Honig) volllaufen lassen – bis der Arzt (mit der Insulinspritze) kommt? Das geht nur beim Imker!
- Wir sind die einzige Branche, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelöst hat: Alle Frauen arbeiten und die Kinder werden fremdbetreut – ganztags wohlbemerkt!
- Wir sind die einzige Branche, bei der sich Nutztiere völlig frei bewegen dürfen. Wir diskutieren nicht wie die Kollegen von der Vieh- und Geflügelzucht über Käfige und Ställe! Unsere Tiere fliegen völlig frei durch weite Luftmeer. Bienenzucht ist aktive Tierbefreiung!
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7. Mai 2007
Zum letzten Mal hat es hier am 18. April geregnet. Jetzt endlich fallen nasse Bindfäden vom Himmel. Das ist gut für die verbleibende Rapstracht. Außerdem honigt die Robinie bald, doch dazu müssen die hiesigen leichten Sandböden richtig nass sein.
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6. Mai 2007
Wir haben den Vergleich. 2 Mal Wanderung ins Obst: 1x mit Bewässerung und 1x ohne. Das Ergebnis ist eindeutig: In der Plantage mit Bewässerung volle Honigräume und im Durchschnitt 5 volle Honigwaben im 2. Brutraum. In den Honigräumen der Völker an unbewässerten Standorten sieht es dagegen eher traurig aus. Hier ist nur gut ein Drittel gefüllt. Die Wanderung in den Raps, die sonst immer viel bringt, ist dieses Mal ebenfalls unterdurchschnittlich.
Noch etwas fällt auf: Die unbewässerten Völker haben einen unwahrscheinlichen Durst. 20 Liter Wasser in der Woche schlucken die locker weg.
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6. Mai 2007
Hellmut Mehlich, Obstbauer und Ernährer unser wanderfreudigen Bienen, lädt jedes Jahr zum Blütenfest auf seine Obstplantage in Werneuchen ein. Dieses Mal war’s mehr ein Verblütenfest, denn außer einigen späten Apfelsorten blüht nichts mehr – nicht mal mehr der Löwenzahn. Zu Kaffee und Kuchen, sowie Gegrilltem eingeladen sind alle, mit denen er beruflich und privat zu tun hat. Ein zweispänniger Kremser kutschierte die Gäste durch seine Plantage.
Nebenbei wurde übers Geschäft geredet. Leider schädigten einige Frostnächte die tolle und frühe Obstblüte.
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4. Mai 2007
Die Kunden unserer Kunden sind manchmal ganz schön neugierig. Heute lieferte ich einem Händler in Pankow unseren Honig. Eine seiner Kundinnen guckte ganz neugierig in die Lieferkiste und entdeckte darin verschiedene Honiggläser. Offensichtlich glücklich, endlich einmal einen Imker zum Anfassen zu haben, sprudelten die Fragen nur so aus ihr heraus. Daraus wurde dann ein halbstündiges Interview, während mein Wagen draußen im Parkverbot stand.
Das fällt mir immer wieder auf: Wer sich als Imker „outet“, ist interessant!
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2. Mai 2007
Heute wurden die Begattungskästchen für die in dieser Woche schlüpfenden Bienenköniginnen vorbereitet. Eigentlich sollten die Kästen leer sein. Doch eines hatte sich eine stachellose Wildbiene als Kinderzimmer ausgesucht.
Auf dem Foto ist das schön zu erkennen: Kleine Kammern jeweils mit Lehmwänden und darin ein in gelben Pollen gebettetes Ei. So legen diese Bienen ihre Eier auch in hohle Binsenstängel oder in die Bohrungen von „Insektenhotels“, die Naturschutzgruppen so gerne basteln.

Gut mit Pollen versorgt, wachsen in kleinen Zimmerchen Wildbienen heran.
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29. April 2007
Auch einem geübten Imker unterlaufen noch Fehler. Die frisch geschlüpften Koniginnen aus der ersten Umlarvaktion wurden heute auf Begattungsableger verteilt. In ein einziges Begattungskästchen hänge ich als Versuch eine Futterwabe vom letzten Jahr und denke, mir so das Flüssigfutter in der Futtertasche zu sparen.
Das war aber keine gute Idee. Normalerweise brausen die frisch gefüllten Begattungskästchen immer laut. In dem einen Begattungskästchen wird es aber nach einiger Zeit ganz still. Ein Blick von unten: aus dem Gitter hängende Bienenbeinchen. Ein Blick von oben: klitschnasse mit Honig getränkte Bienen und am Rand eine in sich zusammengesackte Futterwabe: Alle Anzeigen sprechen für Tod durch Verbrausen!
Zum Glück lässt sich die Situation noch retten: Ich stelle das Begattungskästchen einem Volk über das Absperrgitter. Die verhonigten Bienen sind nach 1/2 Tag von ihren Artgenossinnen sauber geleckt und haben überlebt.
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28. April 2007
Das heute journal fragt in einem Filmbeitrag, ob die Honigbiene ausstirbt. Prof. Jürgen Tautz von der Universität Würzburg hat eine logische Erklärung für das Bienensterben gefunden: Unsere Bienen seien schlicht überzüchtet. Weil immer nur auf Sanftmütigkeit und Sammelfreudigkeit geachtet wird, nimmt die Streuung der verfügbaren Gene immer mehr ab. Sie wird schmäler. Die Folge: Die Bienen werden empfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen, besonders gegenüber der Milbe.
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26. April 2007
Andrang beim Imkerkurs. Beim letzten Mal waren wir noch zu viert, heute schon zu acht. Und alle lesen den Imkerblog! Thema war die Zucht von Bienenköniginnen. In 90 Minuten haben wir zunächst einen Ableger mit einer schlupfbereiten Königinnenzelle und einen Sammelbrutableger als Pflegevolk gebildet. Dann wurde umgelarvt (Foto) und erklärt, wie ein Kunstschwarm gebildet wird.
Zum Schluss haben wir uns noch den Schwarm vom Montag angeschaut. Der hat inzwischen 9 Mittelwände komplett ausgebaut. Die Königin war auch fleißig. Sie hat auf allen 10 Waben bereits Eier gelegt.

Noch fast unsichtbar, aber doch zu Großem bestimmt! Aus der winzigen Bienenlarve auf der Löffelspitze soll einmal eine Königin werden.
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25. April 2007
Die anhaltende Trockenheit beeinträchtigt auch den Honigertrag. Diese Auffassung äußern immer mehr Imker in der Region. Denn wenn es nicht bald regnet, dann gibt es auch keine Pflanzensäfte, aus denen die Bienen Honig herstellen könnten.
Pessimisten meinen, dass es so aussehen könnte, wenn die warme Witterung anhält: Es geht wie am Fließband mit den Trachten bis zur Linde weiter: Ab der 2. Maiwoche blüht die Robinie. In der 2. Maihälfte folgt die Linde. Dann aber beginnt das große Hungern, weil die Sonnenblume gar nicht erst gekeimt ist. Außerdem kommen unterbeschäftigte Bienen leicht auf „dumme Gedanken“ – sie schwärmen.
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