Werbebanner zum Buch: Marc-Wilhelm Kohfink, Bienen halten in der Stadt

Imker sind keine Kammerjäger

26. September 2007

Zur Zeit häufen sich hier die Anrufe von Vermietern und Häuslebesitzer. Wir sollen doch bitte Wespennester beseitigen. Der Tipp kam von der Feuerwehr. Wespennester würden von Imkern beseitigt. Das ist Unsinn. Wohl haben wir Schutzanzüge, doch das reicht nicht. Man muss auch mit Gift hantieren dürfen und auf hohe Leitern klettern wollen. Dazu haben wir aber weder die Genehmigung noch die Neigung.

Es gibt diese Möglichkeiten, nicht mehr von Wespen belästigt zu werden:

  • Kammerjäger holen (kostet rund 100 €).
  • Fenster zumachen, dann kommen sie nicht rein.
  • Warten bis der erste Frost kommt. Den überleben die Wespen nicht.
  • Sich aufs nächste Jahr freuen, denn Wespen besiedeln nicht 2 Jahre hintereinander das gleiche Nest.

Futter kochen macht keinen Spaß

24. September 2007

Jahrelang haben wir unsere Bienen mit dem praktischen Invertzuckersirup aus dem Karton eingefüttert. Als Biobetrieb geht das nicht mehr. Da muss es schon Öko-Raffinade sein und die muss erst mal zu Sirup verarbeitet werden. Trockenen Zucker fressen Bienen nämlich nicht.

Ums kurz zu machen: Es ist eine furchtbare Arbeit. In dem alten Waschkessel können zwar auf einen Schlag 75 kg Zucker aufgelöst werden, doch das Sack- und Eimerschleppen ist anstrengend. Außerdem merkten die Bienen um die Mittagszeit, dass da ein süßes Gericht gekocht wird. Sie setzten sich auf die klebrigen Eimer, stürzten sich kopfüber in den Kessel, leckten an meinen klebrigen Fingern und stachen bei jeder Fingerbewegung zu.

Nächstes Jahr muss eine andere Lösung her. Als Hobbybetrieb war der Kessel noch o.k., doch 600 kg Zucker kann man damit nicht mehr ökonomisch zu Sirup kochen.

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Hat nächstes Jahr ausgedient: der alte Waschkessel zum Kochen von Zuckersirup.

Heidetracht bringt Rekordmengen

22. September 2007

Schon bei der Abwanderung am Mittwoch war klar: es gibt dieses Jahr viel Heidehonig. Bei der heutigen Ernte zeigt sich, dass die Vermutung sogar noch übertroffen wird. So etwas habe ich noch nie gesehen: Pro Volk ziehen wir 10 bis 14 volle verdeckelte Waben mit Heidehonig.

Zum Glück sind wir nur mit einem kleinen Hänger Bienen in die Heide gefahren. Der Honig soll ja auch noch bis zum Verkaufsstart als Biobetrieb vermarktet werden.

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Der Fischer posiert gern mit seinem prächtigen Fang. Der Imker kann nur eine Wabe in die Kamera halten.

Honig für Templin

22. September 2007

In Templin ist die Ernte reinen Lindenhonigs schwer. Daher hat ein dortiger Vollerwerbsimker 600 kg bei mir bestellt, die er heute abholte. Natürlich wurde dabei auch Imkerliches besprochen. Da wir nur Magazine haben, er aber auch Hinterbehandlung in einen Wagen, war folgende Bemerkung interessant: Aus seinen Wanderwagenvölkern erntet er pro Volk nur die Hälfte dessem, was seine Magazinvölker bringen.

Bei der Ameisensäurebehandlung fielen ihm ebenfalls die vielen fallenden Milben auf. Er rechnet damit, dass im Frühjahr wieder viele Imker Völkerverluste zu betrauern haben. Wie zur Bestätigung ruft heute schon jemand an und lässt sich  Ableger fürs Frühjahr reservieren.

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Hier geht ein großer Teil unseres Lindenhonigs auf die Reise in den Norden. 

Wo böse Menschen wohnen

21. September 2007

Das Böse wohnt in der Vorstadt. Was wir aus Horrorfilmen kennen, gibt’s auch hier in Köpenick, mit 4-stöckigen Mehrfamilienhäusern, kurz geschorenem Rasen, alten Bäumen und lustig an der Leine wehenden Wäschestücken.

Ich bin zum Hoffest der Wohnungsbaugenossenschaft eingeladen. Nur wo ist der Festort? Ich frage einen älteren Passanten, der seine Einläufe nach Hause trägt: „Wohnen Sie hier?„Ne“, bellt er mich an. Das ist gelogen, denn wer trägt schon Einkaufstüten durch fremde Wohngebiete?

Beim 2. Versuch frage ich: „Sie wohnen hier?“. Die ca. 70jährige faucht mich an: „Was wollen Sie?“, Ich: „Ich suche das Hoffest“, Sie: „Kenne ich nicht“.

Ich finde es dann doch noch. Die Genossenschaft hat sich viel Mühe gegeben. Eine Musikbühne mit altersgemäßer Livemusik für die überwiegend älteren Genossenschafter, Oldtimer aus den 60er Jahren, Kuchen- und Würstchen zum Spottpreis etc. Das alles ist mit viel Engagement organisiert, um den Menschen hier eine Freude zu machen.

Doch von den tausenden Bewohnern in der Siedlung kommen nur rund 100 und die meckern ständig an der Musik herum. Auch ich bekomme mein Fett weg: „Ihr Imker schüttet doch alle Zucker in euren Honig“, unterstellt mir ein Besucher böswillig. „Sie kennen sich ja gut aus. Sie sind wohl selbst Imker“, entgegne ich. Wirklich nett sind eigentlich nur 2 Schulbuben und ein Ehepaar aus Meißen, das Honig für die Bemme (sächs. für Schrippe) mitnimmt.

Nach 5 Stunden ist endlich Schluss. Als ich meinen Lieferwagen ausparke, stelle ich eine Beule an der Beifahrertüre fest. Sie stammt von der mit Schwung aufgerissenen Türe eines anderen Wagens und wird mich noch lange an diesen Nachmittag in der Vorstadt – treffender ist wohl Vorhölle – erinnern.

Völker aus der Heide zurück

19. September 2007

Alle Bienenvölker sind wieder da. Heute haben mein neuer Praktikant und ich die Völker aus der Heidetracht zurückgeholt. Johbst, Bauingenieur im Ruhestand, musste gleich kräftig mit anpacken. Die Beuten, obwohl nur 2-zargig waren richtig schwer. Sie sind mit schätzungsweise 30 kg Heidehonig/Volk gefüllt. So ein Gewicht hatten wir jedenfalls noch nie aus der Heide zu schleppen!

Wir wanderten ab, obwohl die Heide immer noch blüht, doch irgendwann muss ja mal eingefüttert werden. Aber es gibt Imker, die bleiben länger. Direkt neben uns steht noch ein Kollege aus Neubrandenburg mit 30 Völker.

Die Abwanderung aus der Heide ist immer mit gemischten Gefühlen behaftet. Einerseits sind wir froh, dass wir nun Ruhe bis zum kommenden April haben, andererseits ist gerade das schade.

Weihnachtsware angekommen

18. September 2007

Heute kam die Weihnachtsware. Baumkerzen, Kerzenbastelsets und ähnliche Artikel liefert uns ein Großhändler aus der Pfalz. Bekanntlich dreht sich dort fast die gesamte Landwirtschaft um den Wein. Folglich kam die Ware auch in Weinkartons.

Insgesamt spielen Kerzen und andere weihnachtliche Artikel für unsere Imkerei eigentlich keine Rolle. Wenn wir auf Märkte gehen, nehmen wir etwas davon mit, weil die Kunden das beim Imker erwarten. Insgesamt haben wir aber Kerzen als ein sehr mühsames Geschäft kennengelernt. Man muss bei der Formgebung genau den Geschmack der Kunden treffen. Zudem ist der Rohstoff, also das Wachs, teuer. Es bleicht leicht aus, läuft an (sogen. Wachsblüte) und wird dadurch unansehnlich.

Viel los in Müggelheim

15. September 2007

Die Straße nach Müggelheim ist so, wie sich Auswärtige Berlin nie vorstellen würden. Kerzengerade, nur Bäume links und rechts und am Horizont ebenfalls. Es sieht wie im ländlichen Kanada aus. Gerade weil Müggelheim so abgelegen ist, bemühen sich die Bewohner um ein aktives Gemeindeleben.

Heute bereicherten wir dieses mit einem Honigstand auf dem „Müggelheimer Bauernmarkt“. Das ist eher ein kleines Dorffest mit Ponyreiten, Schlittenhunden, einer Bühne mit Musik und insgesamt 3 Imkereien. Wir hatten uns den allerersten Marktstand am Eingang reserviert, konnten alle Besucher persönlich begrüßen und hatten so schon einen Anlass, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dafür dass Müggelheim so klein ist und sich bei dem Markt die Imker gegenseitig auf die Füße treten, sind wir mit dem Ergebnis zufrieden.

Neben uns stand ein Stand mit Marmeladen und Kuchen aus Neuzelle (wo das Klosterbier herkommt). Wir hatten viel Spaß miteinander und ich lernte auch etwas: Marmelade mit blauem Deckel verkauft sich nicht. Er muss rot sein.

Frohe Stunden

14. September 2007

„Willst Du ein paar frohe Stunden? Geh zum Kunden.“ An diesen alten Vertreterspruch musste ich denken, als ich heute wieder einmal selbst Honig an einen Teeladen in Wilmersdorf lieferte. Die Inhaberin gab Komplimente weiter, die sie für unseren Honig erhalten hat. Die sprichwörtlichen Wilmersdorfer Witwen kaufen ihr mit Vorliebe 125g-Gläschen ab.

Treppen aus Honig

13. September 2007

Nachdem das Licht wieder brennt, wurde heute weiter geschleudert. Ca. 7 bis 10 kg Sonnenblumenhonig pro Volk sind es im Durchschnitt. Das ist gar nicht so schlecht und wir können einige Kübel sogar an Imkerkollegen abgeben. Anfragen gibt es schon.

Der Honig hat dieses Jahr eine besonders schöne Farbe und das Refraktometer zeigt ca. 17,3 % Wasser an. Die Qualität stimmt also.
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Leuchtend gelb und in „Treppchen“ läuft der Sonnenblumenhonig aus der Schleuder. Das zeigt: die Qualität stimmt.

Termine, Termine, Termine

12. September 2007

Diese Woche häufen sich die Anfragen. Wer über Bienen und Honig interessant zu berichten weiß, scheint auch selbst interessant zu sein. Hier das Herbstfest einer Wohnungsbaugenossenschaft, dort ein Vortrag im Nachbarschaftszentrum, heute nun eine Anfrage der Messe Berlin, ob wir nicht auch zur Landesgesundheitsmesse im November kommen wollten. Warum eigentlich nicht? Honig gehört doch zu einer gesunden Ernährung.

Schleuderraum ohne Strom

11. September 2007

Immer wenn es länger regnet, fällt seit einer Woche das Licht im Schleuderraum aus. Dieser ist ein gefangener Raum, d.h. er hat keine Fenster und damit kein Tageslicht. Da wir immer noch dabei sind, den Sonnenblumenhonig zu schleudern, kommt das sehr ungelegen.
Zum Glück gibt es über die Straße einen Elektriker, der sich heute der Sache angenommen hat. Das Ergebnis: In eine Außensteckdose lief bei Regen Wasser und dann löste der FI-Schalter aus. Er montierte die Dose ab und seither brennt auch wieder das Licht.

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Eingerostete Steckdose mit Kontaktproblemen.

Händlerglück

9. September 2007

Schon bei der Eröffnung des 2. Tages vom „Fest an der Panke“ zeigt sich: Das wird ein guter Tag! Kaum mehr Jungvolk ist unterwegs. Stattdessen gehen viele ältere Menschen in guter Kleidung über den Markt bummeln. Auch die Kollegen mit den Heutieren und Likören sind deutlich besser gelaunt.

Tausend Anfragen sind zu klären. Hier eine kleine Auswahl:

  • „Warum steht hier Raps-, Linden- und Sonnenblumenhonig drauf? Ist da kein Bienenhonig drin?
  • „Haben Sie Maracujahonig? Den gibt es in Bayern.“
  • „Warum schmeckt Ihr Spargelhonig nicht nach Spargel?
  • „Gibt es in Berlin überhaupt Bienen?“

Um 19.30 Uhr räumen wir nach einem arbeitsreichen Tag unseren Stand. Dann kommt es zu den üblichen „Panikkäufern“. Das sind Marktbesucher, die einen mords Schreck bekommen, weil wir einräumen und unbedingt noch etwas mitnehmen möchten. Dieses Mal sind es besonders viele. Wir brauchen nur die Hälfte des Präsentationshonigs wieder einzuräumen, alles andere geht innerhalb von 1/2 Stunde während des Abbaus weg.

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Gut aufgehoben zwischen Heutieren und Likör ist unser Imkerstand beim „Fest an der Panke“.

Händlersorgen

8. September 2007

Nun liegt der 1. Tag des „Fests an der Panke“ hinter uns. Dieses große Stadtfest in Pankow, ganz im Norden von Berlin, war bisher immer absatzstark für uns. Dieses Jahr ist aus unserer Branche nur noch ein Hobbyimker da. Doch das tut uns nicht weh, weil wir als Nebenerwerbsbetrieb ganz anders aufgestellt sind. Trotzdem war dieser Samstag nicht gut. Auch wenn’s etwas unfreundlich klingt: Der Anteil tätowierter junger Menschen oder Biermixflaschen-schwingender Jugendlicher steht in umgekehrtem Verhältnis zu den möglichen Umsätzen.

Rechts von uns steht ein Händler mit Likören in schönen Flaschen, links ein polnischer Händler mit niedlichen Heutieren. Im Laufe des regnerischen Tages werden die Gesichter bei uns allen immer länger. Unser Nachwuchsimker mault, weil „Hagens Honig“ wie Blei liegt und eine Aufbesserung seines Taschengeldes leider ausbleibt.

Beim Kassensturz stellt sich schließlich heraus: Der Tag hat nur die Hälfte des „normalen“ Umsatzes gebracht. Na immerhin, die Standmiete ist schon mal verdient!

Sonnenblumenhonig abgeerntet

7. September 2007

Ein alltäglicher Vorgang in der Imkerei, dass nämlich der Sonnenblumenhonig geerntet ist, wird schon zur Nachricht des Tages. Am Vormittag liefere ich noch Honig aus, dann hole ich meinen Mitarbeiter Lars ab und anschließend geht es in den Bienengarten II zur Honigernte. Nach 1 Stunde sind wir fertig.

Leider bleibt aus Unachtsamkeit die Türe zum Wabenlager eine Handbreit weit auf. In nur 10 Minuten ist eine furchtbare Räuberei im Gange. Ich bin ziemlich sauer über diese Eselei. Die Stimmung hebt sich erst, als Lars mich auf schönsten Wildbau hinweist. Bevor wir ihn abräumen, hier noch ein Foto zur Erinnerung über diese beeindruckende Kunstform der Natur. Die schöne gelbe Farbe rührt daher, dass die Bienen den Wildbau während der Sonnenblumen-Tracht errichteten.

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Faszinierend chaotisch ist dieser Wildbau.