Werbebanner zum Buch: Marc-Wilhelm Kohfink, Bienen halten in der Stadt

„Herr Dr. Kohfink, da ist Schaum“

29. Oktober 2007

… auf dem Honig.“ Das ist so ein Kundenanruf, der beim Imker Alpträume auslöst. Genau so schallte es heute aus dem Hörer. Schaum sollte auf gutem Honig niemals schwimmen. Haben wir einen Fehler gemacht? Oder hat der Kunde unser schönes Produkt verdorben? Am Telefon kann man das nicht entscheiden, also wird ein Termin für Mittwoch ausgemacht.

Aldi Nord verkauft Bienenwachskerzen

25. Oktober 2007

Aldi Nord informiert, dass es heute echte Bienenwachskerzen in den Filialen gibt. Es sollen verschiedene Modelle sein und alle für 2,99 €. Das müssen wir uns doch mal anschauen.

Bemerkenswert sind die Teelichte. Die hat sicher jemand liebevoll von Hand gegossen. Die Dochte weisen individuelle Längen auf und sind mal mehr oder weniger genau in der Mitte platziert. Auch die güldenen Becherchen sind ganz individuell befüllt. – Insgesamt also ein sehr lebhaftes und abwechslungsreiches Bild.

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Wie war doch gleich der Aldi-Claim? Ah ja: Qualität ganz oben – Preis ganz unten.

Neues Winterquartier für unsere Bienen

23. Oktober 2007

Weltfirmen und Friseure schreiben gern auf ihr Briefpapier, wo sie überall tätig sind. Etwa so: Berlin, Paris, New York, Schanghai. Das können wir demnächst auch, oder zumindest so ähnlich: Köpenick, Hellersdorf, Schöneiche. Dort sind unsere Winterquartiere. Schöneiche ist seit heute neu. Der Verpächter hat mitgeteilt, dass er mit uns einen Pachtvertrag über eine kleine landwirtschaftliche Fläche schließen will.

Nachdem diesen Sommer 2 Faulbrutfälle in Hellersdorf aufgetreten sind, war die Grenze des Sperrbezirks bis auf rund 3 km an unseren Standort herangerückt. Das hat hier etwas für Unruhe gesorgt. Sperrbezirk heißt: Kein Volk darin darf auf Wanderschaft. Mit dem neuen Standplatz soll genau das vermieden werden. Dann können wir wenigstens mit der Hälfte wandern.

Im Test: Honig aus Salzwedel

22. Oktober 2007

Ein Kunde hat mir von einem Wochenendtrip in seine Heimat, aus der Baumkuchenstadt Salzwedel, ein Glas Lindenhonig mitgebracht. Es soll zwar ein Geschenk sein, aber er bittet um eine gründliche Begutachtung. Fremde Honige zu kosten, mache ich gerne. Das bildet den Geschmack.

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Anuga-Projekt konkretisiert sich

19. Oktober 2007

Heute nun also der Termin bei dem erwähnten Feinkosthersteller. Die Firma hat sich auf die Belieferung von Frühstückbuffets der 5*-Hotelerie spezialisiert. Auch Schloss Bellevue gehört nach Angaben des Chefeinkäufers zum Kundenkreis. Beim Rundgang durch die Firma sehe ich Werbegeschenke für ein Unternehmen des Daimler-Konzerns, die gerade etikettiert werden.

Dann wird es schnell sehr konkret. Ich habe eine Honigprobe mitgebracht. Während ich mit dem Einkäufer über Konditionen verhandle, verschwindet die Chefin mit einer Mitarbeiterin in der Versuchsküche. Als wir gerade fertig sind, haben die 2 schon 3 Muster des künftigen Produktes hergestellt. Der Honig sei ja lecker, meinen sie. Dann wird der Handelsvertreter angerufen und nach den Absatzchancen für das neue Produkt befragt. Der sagt „gut“! Noch ein Anruf beim Glaslieferanten. 1.000 Gläser werden für Ende Dezember geordert. Wenn das Weihnachtsgeschäft vorüber ist, soll das neue Produkt auf den Markt kommen.

Das mag ich am Mittelstand: seine schnelle Entscheidungsfreude.

Der Aufschwung erreicht uns

17. Oktober 2007

Der Klimawandel betrifft nicht nur das Wetter sondern auch die Konjunktur. Während wir im vergangenen Jahr mit unserem Musterkoffer voller Honig „klinken putzen“ gingen, läuft der Honigabsatz dieses Jahr glücklicherweise ganz anders. Alt- und Neukunden fragen verstärkt nach Honig. Heute meldet sich z. B. ein Feinkosthersteller, der von der Anuga mit einer tollen Idee zurückgekommen ist. Die Anuga ist eine alle 2 Jahre stattfindende Lebensmittelmesse in Köln.

Um seine Idee umzusetzen, braucht er guten Honig. Den hofft er bei uns zu bekommen. Schon am Telefon merkt man, er will das neue Produkt ganz schnell einführen. Am Freitag verabreden wir uns zur Besprechung der Einzelheiten.

Noch mal Ameisensäure

16. Oktober 2007

Schon seit Jahren nutzen wir nur Ameisensäure und Oxalsäure zur Milbenbekämpfung. Dieses Jahr zum ersten Mal mit dem Schwammtuch. Das hat den Vorteil, dass die Ameisensäure auch noch bei kühler Witterung wirkt. 30 ml sollen aufs Schwammtuch.

Nun ist das sehr mühsam 50 oder 60 Mal Ameisensäure abzumessen oder aus einer Spritze immer 30 ml herauszudrücken. Wir machen uns das daher ganz einfach. Wir drücken kräftig auf eine Schwanenhalsflasche und zählen bis 15. Das sind dann ziemlich genau 30 ml.

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Ameisensäure mit dem Schwammtuch. Wer bis 15 zählen kann, der muss nicht abmessen.

Völker mit Migrationshintergrund auffällig

13. Oktober 2007

Von Imkerkollegen kommen bereits die ersten Meldungen über zusammengebrochene Völker infolge eines hohen Befalls mit Varroamilben. So schlimm ist es bei uns noch nicht. Allerdings sind einige Völker auffällig schwach. Das sind diejenigen mit denen wir in die Sonnenblume wanderten. Diese Völker – neudeutsch „mit Migrationshintergrund“ – besetzen nur noch 3 Waben. Wir behandeln daher alle Völker heute noch einmal mit Ameisensäure.

Wir vereinigen auch großzügig. Teilweise machen wir aus 3 Völker eines. Mal schauen, ob diese Zwangsintegration erfolgreich sein wird.

Jetzt werden die Verträge gemacht

12. Oktober 2007

Im Augenblick kommen hier Angebote herein, dass wir an Weihnachtsmärkten teilnehmen können. Glaubt man der veröffentlichten Meinung, ist das die Chance für Imker ihren Honig zu vermarkten.

Unsere Erfahrung sehen anders aus. Weihnachtsmärkte sind extrem vom Wetter abhängig. Schneeregen ist tödlich. Viele Besucher gehen nicht auf den Markt in der Absicht, einzukaufen. So wollen nur etwas adventliche Stimmung. Davon werden die in der Regel sehr hohen Marktgebühren (hier 100 € netto/Tag) nicht bezahlt. Hinzu kommen weitere Kosten z. B. für die weihnachtliche Dekoration, für die Gestattung zum Ausschank von Met, für die Nutzung von Mehrweggeschirr, für Beleuchtung usw.

Dann gibt es weitere Einschränkungen bzgl. der Einfahrt auf das Marktgelände und die Anwesenheit auf dem Markt. Da muss z. B. bis 22 Uhr offengehalten werden, selbst wenn nur noch einige Glühweintrinker da sind.

Hinzu kommen widrige Arbeitsbedingungen, nämlich 10 Stunden in der Kälte zu stehen und sich nicht richtig bewegen zu können.

Hygiene war Thema

10. Oktober 2007

Man muss nur das Bienenjournal von September und Oktober aufschlagen und sich die Fotos aus der imkerlichen Praxis anschauen: Honigrühren im Wollpullover und mit wallendem Haar, dazu Emailleeimer, Aluminiumkannen und Weißblechschleudern. Das zeigt, dass der Inhalt der Lebensmittelhygiene-Verordnung und die Praxis kaum etwas miteinander zu tun haben.

Auch in den Katalogen der Imkereifachhändler vermisst man folgende Artikel: Handtuchspender, Gläserkörbe für Spülmaschinen, Glasspülmittel oder Köderdosen für Ameisen. Wo keine Nachfrage ist, gibt es eben auch kein Angebot.

Wer seinen Betrieb als Biobetrieb zertifizieren lassen möchte, muss auch die lebensmittelhygienischen Bestimmungen beachten. Darum hat mich der Vorsitzende unseres Imkervereins heute zum Vortrag eingeladen. „Hygienemanagement in der Imkerei“.

Anschließend gab’s jede Menge Diskussionsstoff: „Wie halte ich z. B. die Luftfeuchtigkeit im Honiglager unter 60 %“ oder „Was mache ich mit dem Tropfen, der beim Lufttrocknen der gewaschenen Gläser am Boden des nach innen gewölbten Honigglases hängen bleibt?“ Insgesamt war’s ein gelungener Abend.

Imkerverband ruft „Jahr der Frau“ aus

8. Oktober 2007

Wegen akuten Nachwuchsmangels wollen die deutschen Imker gezielt Frauen als Mitglieder werben, meldet die Deutsche Presseagentur vom gestrigen Imkertag in Frankfurt. Nur 5 % aller Imker seien weiblich. (Der DIB meldet auf seiner Internetseite noch nichts dazu.)

So ganz neu ist die Idee ja nicht. Seit 2001 gibt’s in Deutschland den Girls Day, bei dem Mädchen technische und naturwissenschaftliche „Männerberufe“ schmackhaft gemacht werden sollen. Nun also auch die Imkerei. Das ist sehr zu begrüßen. Dank moderner Hebetechnik brauchen Imker heute keine Bärenkräfte mehr. Also Frauen: Weg mit den Pferden, ran an die Bienen!

Doppelt ist einfacher

5. Oktober 2007

Der Schlosser bringt uns den umgearbeiteten Edelstahl-Siebkübel zurück. Auf den warteten wir gut 3 Monate – und das mitten in der Saison.

Das verweist auf 2 Herausforderungen, vor denen wir immer wieder stehen.

1. Die Industrie bietet Standardlösungen an. Wer sich aber die Arbeit wirklich erleichtern will, muss seinen Kopf selbst anstrengen. Wie mache ich aus einer Standardlösung eine Ideallösung? In unserem Betrieb heißt das: Wenn wir den Siebkübel unter unsere Schleuder stellen, aus der aus 2 Hähnen Honig läuft, dann läuft der Siebkübel über. Er hat von der Fa. Graze nämlich nur einen Hahn verpasst bekommen. Also hat uns der Schlosser einen weiteren Hahn angeschraubt.

2. Eine Betriebsausstattung reicht im Falle einer Havarie nicht. Wer vor der Aufgabe steht, Arbeitsspitzen auf jeden Fall innerhalb eines Zeitraums bewältigen zu müssen, hat dann nicht die Zeit auf den Kundendienst oder 3 Monate auf seinen Schlosser zu warten. Daher haben wir in meinem Betrieb alles doppelt. So kann reibungslos weitergearbeitet werden.

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Unsere neue Siebstrecke mit 2 Auslasshähnen am Siebkübel in der Mitte. Zuerst läuft der Honig rechts raus. Auf einem höheren Niveau befindet sich der Auslass links. Die rund 5 cm sind ein Puffer, der auf jeden Fall verhindert, dass der Siebkübel überläuft. 

Imkerverbände schweigen zum Angriff gegen Bienen – wir nicht!

2. Oktober 2007

Erinnert sich noch jemand an die 1. Regierung Schröder? Das war die mit den „handwerklichen Fehlern“. Prompt protestierte der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH), dass man Handwerkern unterstelle, sie machten Fehler.

Als in Istanbul 2003 eine El Kaida-Bombe platzte, war von „Franchising-Terror“ die Rede, weil sich der Terror wie ein Handelssystem ausbreite. Gleich protestierte ein sich zuständig fühlender Verband und verwies darauf, dass Franchising nichts mit Terrorismus zu tun habe.

Gestern giftet Atom-Unterhändler Ali Laridschani im Atomstreit in Richtung USA. Der Angriff auf sein Land sei gleichbedeutend damit, „dass jemand seine Hand in einen Bienenkorb steckt“. Wie reagieren unsere Imkerverbände? Sie schweigen! Unfassbar, man mag es nicht glauben. Kein Wörtchen ist zu hören zu dieser Beleidigung unserer lieben, süßen, kleinen Bienchen, die jetzt bibbernd in ihrem Kasten sitzen und sich nicht wehren können.

Wir hätten uns wirklich gewünscht, dass die Imkerverbände DIB, DBIB und EPBA sich mal geäußert hätten. Weil die’s nicht tun, sagen wir in Richtung Iran: In unsere Bienenstöcke kann man seine Hände gefahrlos halten und außerdem haben Bienen nichts mit Krieg und Atomkraft zu tun! Ist das klar? Wegtreten!

Biozucker hat geschmeckt

1. Oktober 2007

Eine Kontrolle bei den vergangenen Woche eingefütterten Bienen zeigt, dass sie das Futter restlos aufgenommen haben. Die Futtergeschirre sind leer. Der Biorohrzucker hat ihnen offensichtlich gut gemundet.

Ein Fehler macht Freude

28. September 2007

Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. So auch bei uns. Ein Kunde ruft an. Er hat Lindenhonig bestellt, aber zum Teil Akazienhonig bekommen. Wir bieten ihm selbstverständlich an, den Honig sofort umzutauschen und im die gewünschte Ware zu schicken. Doch er winkt ab. Der Akazienhonig sei so köstlich, den will er gar nicht mehr hergeben.