Werbebanner zum Buch: Marc-Wilhelm Kohfink, Bienen halten in der Stadt

Gunst bringt Kunst

7. Dezember 2009

Bei Kunstschaffenden steht unsere Imkerei offensichtlich hoch in der Gunst. Heute kam ein Architekt aus Ottawa vorbei, der sich Bienenwaben besorgte. Damit will er die Kunstsprache von Josef Beuys in die Architektur übertragen. Der Düsseldorfer Künster habe viel mit Wachs gearbeitet (obwohl er mehr für Fettecken bekannt ist). Geplant sei ein Gebäude in Berlin-Moabit. Eine Fassadenseite solle eine Wabenstruktur erhalten. Für das Modell braucht der Architekt die Waben.

Sollte das Bauwerk errichtet werden, hätte das eine gewisse Ironie. In keinen Stadtbezirk liefern wir nämlich so wenig Honig wie nach Moabit. Und ausgerechnet da würde ein Haus entstehen, für das die Waben aus unserer Imkerei Vorbild waren. So ein Bauwerk hätte eher Köpenick oder Steglitz verdient.

Imkerauto wieder beschriftet

2. Dezember 2009

Unser Imkerauto ist wieder beschriftet. Den ganzen Sommer sind wir neutral durch Berlin gefahren, nun erkennt man uns wieder. Auch das Bioland-Logo wurde untergebracht sowie ein Hinweis auf unseren neuen Service, die Umsiedlung von Wespen und Hornissen. Insgesamt gefällt es mir gut, nur die Bildmarke hätte größer sein können.

Die Beschriftung des Imkerautos ist unsere beste Werbung. Das war in der Vergangenheit so und ist hoffentlich auch künftig so.

Die Beschriftung des Imkerautos ist unsere beste Werbung. Das war in der Vergangenheit so und ist hoffentlich auch künftig so.

Imkerschüler wird Höhlenimker

30. November 2009

Ich treffe einen unserer Imkerschüler vom vergangenen Sommer. Stolz erzählt er:  „Ich habe mir schon Beuten gekauft und im kommenden Frühjahr kaufe ich mir Völker. “  Welche Beute er denn nun habe, will ich wissen. „Ausziehbeuten! Die waren ganz preiswert.“

Begreift man die Entwicklung der heutigen modernen Magazinbeute evolutionär, dann ist die Ausziehbeute ein Mittelding zwischen Hinterbehandlungsbeute und Magazin. Also so eine Art Lurch – nicht mehr Fisch aber auch noch nicht Schnitzel. Um das mühevolle Herausziehen der Waben mit der Zange zu erleichtern, können die Waben auf Schienen herausgezogen und wie Magazine von oben behandelt werden. Dann werden sie in den Kasten zurückgeschoben. Ehemalige Nutzer erinnern sich mit Grausen an dieses System: Durch Feuchtigkeit verrosten die Schienen. Ständig klemmen sie. Die Bienen kitten den Mechanismus zu. Wildbau zwischen den Oberträgern und den Deckbrettchen im Brutraum verhindert, dass der Schlitten ausgezogen werden kann. Dann musste der Imker doch die Zange nehmen und Rähmchen ziehen.

Wer aus der Geschichte nichts lernt, muss sie noch mal erleben.

Gentrifizierung stützt Honigverkauf

28. November 2009

Bei jedem Neujahrsempfang jubelt unsere Bezirksbürgermeisterin, wie gut sich Treptow-Köpenick entwickelt. Junge Familien mit Kindern und Geld ziehen in den Berliner Südosten. Schon ist von Köpenick als dem „Zehlendorf des Ostens“ die Rede. Gentrifizierung nennt sich das auf soziologisch.

Heute hatte ich einen Weihnachtsmarktstand in einer Privatschule und da traf ich die Neuköpenicker. Lauter LOHAS, die auf Nachhaltigkeit und Gesundheit achten. Also genau die  Zielgruppe meiner Imkerei. Und tatsächlich hat sie auch gekauft wie die Zehlendorfer. Vor allem die seltenen Sorten gingen gut. Es muss wohl was dran sein an den Worten unserer Bürgermeisterin.

Hollywood besucht unsere Imkerei

24. November 2009

Heute hatten wir Besuch aus Hollywood. Das liegt daran, dass vor den Toren Berlins die Filmstadt Babelsberg liegt. Dort filmten nicht nur Legenden wie Fritz Lang und Josef von Sternberg. Dort werden auch heute noch Filme gedreht. Bei Hollywood-Regisseuren ist Babelsberg immer dann beliebt, wenn Szenen des Films in Berlin spielen.

Und hier kommt unsere Imkerei ins Spiel. In einer Filmszene schaut sich ein kleiner Junge die Bienen seines Vaters mit der Lupe ganz genau an. Dafür werden Bienenkästen und Bienen gebraucht. Deshalb hat sich heute ein Requisiteur aus Babelsberg unsere Bienenkästen angeschaut und festgestellt, dass die sehr gut in den Film passen.

Wie der Streifen heißen soll, weiß ich nicht, doch es soll sich um eine Agentengeschichte handeln im Stile von „Die Bourne Identität“, die Matt Damon bekannt machte und von der es mehrere Fortsetzungen gibt.

Der Requisiteur misst und überlegt: Was passt besser in einen Agentenfilm: Diese ausgedienten Normbeuten oder Magazine?

Der Requisiteur misst und überlegt: Was passt besser in einen Agentenfilm: Diese ausgedienten Normbeuten oder Magazine?

Das Märchen vom verdeckelten Qualitätshonig

23. November 2009

Anfänger in der Imkerei erhalten für gewöhnlich den Tipp, Waben erst zu schleudern, wenn diese mindestens zur Hälfte, besser zu 2/3 verdeckelt sind. Denn – so heißt es – nur verdeckelter Honig ist reifer Honig.

Leider ist das nicht so einfach. Dass Honig unter dem Deckel schon mal 22 % Wassergehalt hat, kann bei Massentrachten vorkommen. Er kann unter dem Wachsdeckel sogar in Gärung übergehen, ohne dass der Deckel aufplatzt. Sektflaschen können explodieren, doch Wachs anscheinend nicht.

Und so ist die Überraschung beim Entdeckeln umso größer, wenn der Honig nach dem Entdeckeln übel riecht und wie hier zu erkennen ist, auch noch schäumt.

Blasen und ein stechender Geruch zeigen beim Entdeckeln an, dass der Honig unter dem Wachsdeckel schon gärt.

Blasen und ein stechender Geruch zeigen beim Entdeckeln an, dass der Honig unter den Wachsdeckeln schon gärt.

Schuhwerk für Imker

20. November 2009

Beim Honigausliefern zwischen Neukölln und Berlin-Mitte mache ich heute einen Stopp bei dem Berufsbekleidungshändler John Glet am Mehringdamm.  Ich brauche neue Stiefel für die kommende Saison. Wenn treffe ich da in der Schuhabteilung? Eine Bioland-Kollegin. Sie braucht Stiefel für den Stall. So ist das bei Landwirts: Im Winter hat man mal Zeit, sich um die Ausrüstung zu kümmern und da trifft man sich im Berufsbekleidungsgeschäft.

Ich kaufe mir bei John Glet jedes zweite Jahr solide Baustiefel mit Stahlkappe und Fußbett. Darin kann ich den ganzen Tag ohne Fussschmerzen arbeiten und mit dem Profil rutsche ich auch keine Böschung hinab. Das ist schon etwas ganz anderes als diese schlabbrigen Stiefel, die’s im Baumarkt gibt.  Leider bekommen die Stiefel nach 2 Jahren Risse. Das heißt: nasse Füße und manchmal auch Bienenstiche. Die Biester finden jede Ritze.

Wie für Glaspaletten gebaut

19. November 2009

Unser neues Imkereifahrzeug beweist auch beim Glaseinkauf seine Stärke. Alle paar Monate brauchen wir eine Palette Gläser. Bisher hat uns unser Imkereifachhändler die Palette geliefert – gegen eine Lieferpauschale. Diese entfällt künftig, denn wir können die Gläser selbst holen. Eine Palette passt genau in den Fiat Doblo und es ist sogar noch Platz für die Kartons mit den Deckeln. Ein echtes Raumwunder!

Genau 1 Glaspalette passt in unseren praktischen Fiat Doblo.

Genau 1 Glaspalette passt in unseren praktischen Fiat Doblo.

Klingelton für Imker

18. November 2009

Lass mich Deinen Klingelton hören und ich weiß, wer Du bist. Ein Freund, Jäger, hat das Signal „Sau ist tot“ als Klingelton. So schöne Hornsignale brauchen wir Imker nicht. Für uns tuten ja frisch geschlüpfte Königinnen. Die gibt’s selbstverständlich auch als Klingelton. Nämlich hier:

http://www.nature-rings.de/tiere/Honigbiene/page1.html

Direktvermarkter-Seminar liefert Kennzahlen

10. November 2009

Der Bioland-Verband bietet seinen Mitgliedern, mithin auch uns, ein umfangreiches Tagungs- und Weiterbildungsprogramm. Heute fand die Veranstaltung „Profi in der Direktvermarktung“ im Museum der Domäne Dahlem statt. Referent war Stefan Rettner, der auch das Marketingseminar beim Erwerbsimkertag in Donaueschingen mitgestaltet hat. Ich war der einzige Imker. Sonst waren überwiegend Landwirte mit Hofladen und Marktständen da. Einer der Teilnehmer macht Bio-Kompost. Schon allein dies war spannend.

Was ich bei der Betriebsvorstellung in Donaueschingen vermisst hatte, brachte Rettner mit: Kennzahlen, mit denen der eigene Betrieb beurteilt werden kann. So sind Marktstände erst ab 60€ Umsatz/Stunde und Mitarbeiter rentabel. Der Wareneinsatz darf nicht mehr als 70% des Verkaufspreises betragen. Damit kann man doch etwas anfangen!

Und das beste daran: Das Seminar hat für Bioland-Mitglieder nichts gekostet außer 8 € für die Verpflegung.

Hilft Propolis gegen die Schweinegrippe?

9. November 2009

Schon seit einigen Tagen beobachte ich, dass die Nachfrage nach meiner Propolis-Lösung sprunghaft angestiegen ist.  Ob es an der Schweinegrippe liegen mag? Diskrete Nachfragen brachten kein schlüssiges Ergebnis. Eine Kundin meinte heute, ihre Ärztin habe es ihr gegen ihre aktuelle Grippe empfohlen. Ob es eine Schweinegrippe sei, wisse sie nicht. Sie sei nicht getestet.

Eine andere Kundin – ebenfalls heute – meint die Propolis-Lösung habe ihr in den letzten Wochen bei der Verbesserung ihres allgemeinen Gesundheitszustandes geholfen. Aber braucht man dann gleich 10 Fläschchen auf einmal?

Wie dem auch sei, hier ist eine Fundstelle zum Thema.

Unsichere Steuerberater

5. November 2009

Dass wir mit unserer Imkerei in dieser Großstadt Berlin wirkliche Exoten sind, wird mir immer im Umgang mit Steuerberatern bewusst. Was wir machen – nämlich Einkünfte aus Landwirtschaft und Forstwirtschaft zu produzieren – gibt’s hier sonst gar nicht.

Der erste Versuch einen Steuerberater zu finden, scheiterte vor 10 Jahren daran, dass die Steuerberaterin sagte:  „Landwirtschaft? Da hat man mir in der Ausbildung immer gesagt : ‚Als Berliner betrifft dich das nicht‘. Daher kann ich Sie leider nicht betreuen.“ Sie hat uns dann an einen Kollegen verwiesen, der sich um die Randexistenzen der Berliner Gesellschaft kümmert, nämlich um Prostituierte, Politiker und eben – Landwirte.

Inzwischen haben wir eine neue steuerberaterliche Heimat sogar in Köpenick, unserem Stadtbezirk, gefunden. Dort arbeitet ein Mitarbeiter, der schon einmal im norddeutschen Tiefland mit Landwirten zu tun hatte und aus dieser Zeit noch Kollegen kennt, die er bei Bedarf fragen kann.

Eine lustige Honigprobe mit Köchen

27. Oktober 2009

Inzwischen spricht sich auch unter Berliner  Köchen und Restaurantbetreibern herum, dass unser Honig den Gaumen von Gourmets verwöhnt. Heute war ich in ein Hotel in der City-West eingeladen. Das Management wünscht sich dort fürs Frühstücksbuffet einige Berliner Bio-Honige – nicht aus Brandenburg, sondern ausdrücklich von einem Berliner Betrieb.

Ich packte den Tisch voller Honigsorten. 2 Köche in Berufskleidung und 2 Manager saßen im Restaurantbereich um mich herum. Am Anfang versuchte ich noch etwas zu den Honigen zu erklären, dann griffen die Herrschaften selbst zu und es wurde richtig chaotisch-lustig und die Kommentare flogen nur so durch die Luft:  „Der riecht ja nach Schweinestall“, „Der passt prima zu Käse“, „Daraus würde ich Halbgefrorenes machen“, „Den musst Du mal probieren“ usw.

Schließlich landeten sie bei Robinie, Blüte, Raps und Linde fürs Buffet und verabschiedeten sich.

Imker-Schülerin fährt über 500 km zum Kurs

26. Oktober 2009

Manche Schüler nehmen viel auf sich, um Imker zu werden. Heute hat sich eine Jung-Imkerin aus Gera für unseren Kurs im kommenden Frühjahr und Sommer angemeldet. Sie reist für jeden der 5 Termine extra an. Gera ist von Berlin rund 260 km entfernt – macht also über 500 Kilometer pro Kurstag.

Viel erzählt und nichts gesagt

25. Oktober 2009

Bei den Berufsimkertagen freue ich mich stets auf den samstäglichen Schlussvortrag, wenn ein Kollege seinen Betrieb vorstellt. Dieses Jahr sprach ein Imker, der in einem kleinen Ort zwischen Frankfurt/M. und Mainz arbeitet.  Leider waren viele Bilder seiner Präsentation unscharf und so war auch seine Rede.

Normalerweise bekommt man bei einer Firmenpräsentation einen sogen. Betriebsspiegel vorgestellt: Völkerzahl, produzierte Honigmenge, Sorten, Cash-Cows, Absatzwege, regionale Besonderheiten, Kundenstruktur – eben lauter Angaben, die es den Zuhörern ermöglichen, ihren eigenen Betrieb mit dem des Kollegen zu vergleichen und eine Antwort auf die Frage zu finden: warum macht er das so und nicht anders? Darüber schwieg der Referent aber beharrlich und reagierte auch auf Nachfrage nicht.

Doch es gab auch einige interessante Einsichten.  Der Kollege und seine Frau machen wirklich alles selbst. Sie gießen in großem Stil Kerzen selbst und stellen sich wochenlang persönlich auf Weihnachtsmärkte und jede Woche auf den Mainzer Markt auf dem Domplatz und in den eigenen Hofladen. Ist das wirklich effektiv, wenn man – meine Schätzung – ca. 600-800 Völker bewirtschaftet? Sollten Unternehmer nicht lieber mehr an ihrem Unternehmen arbeiten als nur in ihm? Das jedenfalls ist die große Frage nach diesem Vortrag.