Die Biene und das Unbewußte

Eduard von Hartmann (1842-1906) wird eigentlich nicht zu den Lebensphilosophen gezählt. Ich habe trotzdem fünf seiner Bücher in den letzten Wochen durchgelesen, weil v. Hartmann der populärste Philosoph des Kaiserreichs war. Mein Gedanke war, dass ich nichts über Wesensgemäße Imkerei als naturphilosophische Betriebsweise aus der Zeit um 1900 schreiben kann, wenn ich v. Hartmann nicht kenne.

Der „Philosoph des Unbewußten“ hat sich intensiv mit Bienen beschäftigt. Sie waren für ihn ein Hinweis, wie sich das hinter allen Wesen und Entwicklungen stehende metaphysische Unbewußte ausdrückte.

  1. Es zeigt sich für v. Hartmann z. B. in der parallelen Evolution von Blüten und Bienenrüsseln. Tiefere Blütenkelche brächten nämlich den Blumen keinen Vorteil im Kampf ums Überleben. Dass sich Rüssel und Kelche parallel entwickelten, sei auf das Wirken des Unbewußten zurückzuführen.
  2. Ein weiterer Hinweis sei das Ineinandergreifen aller Leistungen, die von den verschiedenen Bienen im Bienenvolk – verstanden als Organismus – erbracht werden.
  3. Auch die perfekte, harmonische Anpassung des Bienenvolks an die es umgebende Landschaft führt er auf das Unbewußte zurück.
  4. Wenn Baubienen an verschiedenen Stellen Waben errichten und diese nachher zu einer Einheit zusammenwachsen, sowie die komplexe Wabenform und die effiziente Materialnutzung – alles Hinweise auf das Unbewußte.
  5. Schließlich verhielten sich die abgetrennte Teile eines Bienenvolks (Schwärme und Ableger) wie das Muttervolk. Daher gebe es keine Volksseele, sondern ein gemeinsames Unterbewußtes.

Weil das so ist und von den Menschen gespürt werde, gelte die Insektenbeobachtung bei „kindlichen Nationen“ als meditative Tätigkeit.

Fazit: Einige Punkte der Aufzählung sind für die Wesensgemäße Imkerei relevant (2, 3). Das meiste aber, das v. Hartmann geschrieben hat, ist ihren Annahmen entgegengesetzt. In meinem Imkerkurs gehe ich bei Interesse darauf ein.

Der Philosoph Eduard v. Hartmann kannte die unbewußte Kraft, die Bienen zum Volk macht. Bild: Wikipedia

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